Glastradition im Dreiländereck Bayerischer Wald
Geschichte der Glastradition im Dreiländereck

Noch ehe es im Gebiet des Bayerischen Waldes Holzindustrie gab, bestanden schon Glashütten. Wahrscheinlich ist die Kunst des Glasmachens durch den florierenden Handel auf dem Goldenen Steig vom Salzkammergut nach Böhmen ins Waldland gekommen. Dieser Handelsweg bestand bereits um das Jahr 1010.

Die Hütten fertigten vor allem Rosenkranzperlen, die "Paternosterln" oder "Peterl". Immer mehr Hütten stellten später Edelglas, Hohlglas, Lüster und Dinge des täglichen Bedarfs her. Dem Werkstoff Glas und der Kreativität der Glasbläser waren kaum Grenzen gesetzt.

Aus Glasresten entstand eine ganz besondere Kunst: Das geschundene Glas. Reste, die aus sorgsamem und sparsamem Umgang mit der Masse Glas stammten, das "herausgeschundene" Glas, durften die Hüttenarbeiter für eigene Zwecke verwenden. Dabei entstand so manches Kunstwerk.

Die heute noch existierenden Hütten fertigen vor allem edles Kristallglas, das z.T. im Mundblasverfahren zu weißem und farbigem Hohlglas verarbeitet wird. In allen Hütten können Besucher erleben, wie aus der glühenden Masse Kunstwerke entstehen. Glasbläser, -schleifer, -gravierer, -kugler usw. demonstrieren ihr Können gerne vor Publikum.

Grainet Wanderglashüttenweg – Auf den Spuren „wandelnder Glashütten“

Schon zu Beginn des 15. Jhd. hat im bayerisch-böhmischen Grenzgebirge die Kunst des Glasmachens Fuß gefasst, zumal hier die nötigen Grundstoffe wie Quarz und Holz reichlich vorhanden waren. Mit Erlaubnis der Grundherrschaft haben Glasmacher einfache Glasproduktionsstätten als Wanderhütten betrieben, deren Standorte man verlegte, wenn die Ressourcen vor Ort aufgebracht waren. Sie benötigten nämlich riesige Mengen Feuerholz und Holz für Pottasche. Neigten sich die Holzvorräte im Umkreis einer solchen Wanderglashütte dem Ende zu, so „wanderte“ sie dem Walde nach.

Dadurch entstanden in dem noch unberührtem Waldmeer, dem die Menschen die Namen „Nordwald“, „Böhmerwald“ und „Bayerischer Wald“ gegeben hatten, Rodungsinseln. Diese dienten als Neuland für die Gründung von Siedlungen.
So eine Glashütte bot Arbeit für Scheiterhacker, Aschenbrenner, Quarzschürfer, Pochermänner, Flusssieder, Schürer, Schmelzer und Glasmacher.

In der 2. Hälfte des 18. Jhd. mussten die Hütten infolge Holzknappheit und Absatzschwierigkeiten schließen. Erst nach 1800, als die Nachfrage nach Luxusglas gewaltig anstieg, einige Jahrzehnte geregelter Forstwirtschaft für das Nachwaschen des „Rohstoffes Holz“ gesorgt hatten und die waldvernichtende Pottaschengewinnung durch das neuartige Glasflussmittel „Soda“ unnötig geworden war, lebten einige Glashütten (z.B. Schwarzenthal 1821 – 1859) nochmals auf.
Glas aus dem Bayerischen Wald ist noch heute ein wichtiges Exportgut.

Der Themenwanderweg "Glas" führt Sie auf zwei Routen zu 5 ehemaligen Glashüttenstandorten. Infotafeln an den Standorten erklären die Geschichte.

Route 1: Grainet – Hobelsberg – Kohlstattbrunn – Gschwendet – große Schanze – Grainet, 11 km.
Route 2: Gschwendet – Scheiterwald – Bramandlwiese – Osterbachkanal – Duschlberg – Gschwendet – große Schanze, 11 km.
Route 1 und 2 können miteinander zu einer Tageswanderung verbunden werden.

Kontakt
Tourismusbüro Grainet
Tel. 08585 960030

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